Hessischer Ju-Jutsu Verband e.V.

Der HJJV in Zahlen

Zunächst war die Sportart Ju-Jutsu (1968/69 von den „ Gründungsvätern“ Werner Heim und Franz-Josef Gresch eingeführt) im Deutschen Sportbund noch nicht eigenständig organisiert, sondern als Sektion (wie eine Abteilung im Verein) dem Deutschen Judo-Bund e.V. bzw. dem Hessischen Judobund e.V. angegliedert.

Nach der Gründung des DJJV im Jahre 1990 fanden auch die ersten Landesverbände den Weg in die Eigenständigkeit. Bereits im Gründungsjahr des HJJV (1992) waren in 50 Vereinen 2.400 Mitglieder organisiert. Die erste offizielle Stärkemeldung zum 1.1.1993 wies 3.200 Mitglieder in 63 Vereinen aus. Im Jahre 2006 konnten auch erstmals Jiu-Jitsu Vereine Mitglied im HJJV werden.

Zum Jahresende 2007 (Stärkemeldung 01.01.2008) sind 71 Vereine mit 5.870 Ju-Jutsuka sowie 4 Jiu-Jitsu Vereine mit 236 Sportlern Mitglied im HJJV.

Bei gemeldeten 6.106 Sportlern haben: 36 Vereine 10 – 50, 15 Vereine 51 – 99, 14 Vereine 100 – 149, 2 Vereine 150 – 199 und 5 Vereine 200 - 250 Mitglieder. Zwischen 250 und 300 Mitglieder hat die TG Hanau a. V., über 300 der Budokan Ju-Jutsu Wetzlar e.V. und der PSV GW Wiesbaden e.V.

 

 

Ju-Jutsu – ein junges Selbstverteidigungssystem. Rund ein Drittel aller Mitglieder des hessischen Verbandes sind dabei Mädchen und Frauen. Etwa 55 - 60% unserer Mitglieder sind unter 18 Jahre alt.

 

Profil der Sportart Ju-Jutsu

Der Fokus der Sportart Ju-Jutsu richtet sich auf moderne Selbstverteidigung und Selbstbehauptung. Zwar stellt die Bewahrung traditioneller Werte eine nicht unwichtige Komponente dar, jedoch steht die Strategie eines permanenten und geplanten Wandels im Mittelpunkt. Durch neue Erkenntnisse und stetiges Lernen stellt der Hessische Ju-Jutsu Verband die Aktualität und Zukunftsorientierung seiner Angebote sicher. Dabei kann der Verband von seiner starken Verankerung und der hohen Mitgliederzahl im Bereich der Polizei profitieren. Dadurch findet sich eine konsequente Ausrichtung auf eine praktische Selbstverteidigung im Ausbildungs- und Prüfungsprogramm sowie den praktizierten Übungsformen. Das Prüfungsprogramm stellt die Grundlage einer Überprüfung des Könnens- und Kenntnisstandes des Ju-Jutsuka dar, der durch die getragene Gürtelfarbe nach außen dokumentiert wird. Hierbei haben die Sportler zu beweisen, ob sie die geforderten Inhalte prinzipiengerecht, sinnvoll und unter dem Aspekt realistischer Selbstverteidigung umsetzen können. Dabei gelten diese Faktoren für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen, allerdings besteht aufgrund einer gesonderten Kinderprüfungsordnung die Möglichkeit alters- und leistungsgerechte Zwischengürtel zu erwerben.

Ju-Jutsu in seiner Vielseitigkeit wird auch als „Zehnkampf“ unter den Budosportarten bezeichnet.

 

Strategische Ausrichtung des Verbandes

Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, demographische Veränderung und einem ständigen Wandel unterliegende Bedürfnisse der Sportler bedeuten für alle Sportverbände eine große Herausforderung. Der HJJV stellt sich zukunftsorientiert durch eine Erweiterung seiner Angebote und einer Stärkung des Breitensports dieser Herausforderung.

Begleitend zu der Ausbildung im Bereich der Selbstverteidigung stehen Bewegungs- und Gesundheitsförderung im Mittelpunkt der Verbandsaktivitäten. Für eine erfolgreiche Implementierung dieser Angebote hat sich der HJJV in seiner Führungsstruktur angepasst. Der Vizepräsident Breitensport ist von direkten operativen Aufgaben entbunden und verantwortet die Umsetzung und Koordinierung neuer Angebote. So ist sichergestellt, dass Ressorts wie das Prüfungswesen, Ausbildung und Lehre fachübergreifend an einem Strang ziehen und damit für die vermittelten Inhalte eine Qualitätssicherung garantieren. Die Betreuung und Angebote für Lebensältere wurde durch ein neues Vorstandsmitglied „Seniorensport“ maßgeblich gestärkt.

In dieser Organisationsstruktur wurden neue Aktivitäten erfolgreich umgesetzt. Zielgruppenorientierte Prüfungen (Jugend, Senioren) haben zu einer deutlichen Zunahme der Prüfungsanmeldungen geführt. Ein breitensportorientiertes ganzheitliches Fitness- und Gesundheitsangebot wurde entwickelt und findet ergänzend zum JJ-Training in vielen Vereinen mit hohen Teilnehmerzahlen erfolgreich Anklang. Gesundheitsprävention, Fitness-Training, Rückenschule und Zielgruppen- und altersangepasstes Training bilden mittlerweile auch einen gewichtigen Baustein in der Ausbildung der Fachübungsleiter.

 

Ausbildungsoffensive

Eine ausreichende Zahl qualifizierter und motivierter Übungsleiter und Trainer sind die unabdingbare Basis für die Vereine, um ihr Angebot erweitern und neue Mitglieder gewinnen zu können. Um diesen Bedarf zu decken, hat der Verband eine Qualifizierungsoffensive gestartet. Die Infrastruktur des Landesleistungszentrums in Wetzlar wurde für Ausbildungen professionell ausgebaut, die Inhalte im Sinne der strategischen Ausrichtung umstrukturiert und die Qualität durch die Rekrutierung ausgesuchter Referenten verbessert.

Mit nahezu 70 Anmeldungen für mittlerweile drei parallel durchgeführten Schulungen der Fachübungsleiter Ju-Jutsu im Jahr 2007 erntet der Verband die Lorbeeren für die Stärkung der Ausbildung und stößt damit an der oberen Auslastungsgrenze der ehrenamtlichen Tätigkeit an.

Großen Wert legt der hessische Verband auf die Ausbildung von qualifizierten und motivierten Übungsleitern und deren sozialer Kompetenz. In stressfreier Atmosphäre wird hier die erste Gürtelprüfung junger Ju-Jutsuka durchgeführt.

 

Spezialisten für Gewaltprävention und Selbstbehauptung

Gerade durch seine starke Verankerung im Bereich der Polizei vereint das Ju-Jutsu großes Fachwissen auf dem Gebiet der körperlichen Selbstverteidigung mit starken Kompetenzen im Bereich der Gewaltprävention und Selbstbehauptung. Sicheres Auftreten, Täter-Ofer-Verhalten, Stimmschulung oder Rollenspiele mit dem Ziel der gewaltfreien Konfliktvermeidung sind Ausbildungsinhalt des Ju-Jutsu. In speziellen Kursleiterlizenzlehrgängen (SV für Mädchen, Jungen und Frauen) werden Trainer und Trainerinnen gezielt als Ansprechpartner für Lehrer, Kindergärten, Schulen, Wohneinrichtungen sowie Volkshochschulen qualifiziert und leisten einen bedeutenden Beitrag in der Gewaltprävention. Für Kinder und Jugendliche ist daher das „Das Raufen nach Regeln“ fester Bestandteil im Angebot der Vereine. Der Verband engagiert sich hier nachhaltig durch gemeinsame Angebote mit dem Landesportbund Hessen, der Sportjugend und Lehrerverbänden. Im Gegensatz zu kommerziellen Anbietern ist durch die gezielte Ausbildung zum einen ein hoher Qualitätsstandart gesichert, zum anderen werden diese Angebote zu moderaten Preisen möglich. Von klein auf wird Selbstbehauptung durch Rollenspiele mit Einsatz von Stimme, Gestik und Mimik gelernt.

 

Konzentration, Kondition, Kampf

Neben dem schwerpunktmäßigen Zweck der Selbstverteidigung haben sich im Ju-Jutsu verschiedene Wettkampfformen entwickelt und in Hessen etabliert.

Im Ju-Jutsu Fighting- System kämpfen zwei Kontrahenten gleichen Geschlechts in ihrer gemeinsamen Alters- und Gewichtsklasse gegeneinander. Grundsätzlich erlaubt sind Schläge, Tritte und Stöße im Leichtkontakt sowie Hebel-, Wurf- und Würgetechniken. Der Ju-Jutsu- Sportler muss innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens seinen Gegner nach Punkten oder durch technische Überlegenheit vorzeitig besiegen. Dabei erlaubt das Regelwerk einen realitätsnäheren Kampf als andere Budo- Sportarten. Meisterschaften werden auf Landes-, Gruppen-, Bundes-, Europa- und Weltebene durchgeführt. Auf internationaler Ebene konnten sich in den vergangenen Jahren Kämpferinnen und Kämpfer aus Hessen in besonderem Maße behaupten. Da eine abschließende Auflistung sicher den Rahmen sprengen würde, seinen hier exemplarisch vier Kämpferinnen und Kämpfer genannt. Mario Staller vom PSV Wiesbaden erkämpfte sich auf den World Games 2005 in Duisburg in der Seniorenklasse männlich bis 77kg die Silbermedaille. Bei den Junioren Europameisterschaften 2006 in Bielsko-Biala (Polen) errang Claudia Behnke vom Bushido Wüstems den Meistertitel in der U 20 weiblich bis 62kg und Kevin Crichton von der TG Hanau in der U 17 männlich bis 60kg den 3. Platz. Ebenfalls einen 3. Platz belegte Georg Keßler vom JC Erbach bei den German Open 2006 in Hanau in der Jugend A männlich bis 57kg. Im Bundeskader des Deutschen Ju-Jutsu Verbandes sind mit Mario Staller, Claudia Behnke, Kevin Crichton, Georg Keßler, Peter Müller (TG Hanau), Alexandra Hübner (BC Bad Arolsen) sieben Athleten aus Hessen vertreten. Mit einer international nicht erreichten Professionalität richtet die TG Hanau jährlich die German Open, die internationalen Deutschen Meisterschaften in Ju-Jutsu Fighting und Duo-System aus.

Dagegen ist das Ju-Jutsu Formen- System eine rein deutsche Art des Technikvergleiches. Ju-Jutsu Sportler finden sich in Teams von zwei bis fünf Personen zusammen und präsentieren eine eigenständig erarbeitete Ju-Jutsu Choreografie, wobei Faktoren wie realistische Selbstverteidigung, Sauberkeit und prinzipiengerechte Umsetzung der gezeigten Ju-Jutsu Techniken beurteilt werden. Wahlweise können die gezeigten Formen mit Musik- und/oder Lichteffekten in Szene gesetzt werden, auch finden sich häufig Zeitlupensequenzen, die ein besonders hohes Maß an Kraft und Körperbeherrschung erfordern. Bahnbrechenden Einfluss auf das ursprüngliche System hatten die Wiesbadener Ju-Jutsuka Bernd Hillebrand und Johannes Renninghoff, die die Weichen für die heutige Stilrichtung stellten. Mit den Formationen „Die vier Samurai“ und „Lords of Light“ konnte der Meistertitel bereits mehrfach, zuletzt 2005, von hessischen Athleten erkämpft werden

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